Die Optimierung beginnt schon im Kindergarten
Die Optimierungen eines Menschen beginnen inzwischen schon früh, bereits in den Kindergärten. Diana Pflichthofer fügt hinzu: „Davor warten die gehetzten Eltern, besorgt um den täglichen Optimierungsprozess ihres Kindes. Die Menge der Synapsen innen und der zuträglichen, gewinnbringenden Kontakte außen wird schließlich einmal über die soziale Rangfolge entscheiden.“ Und sollte der Platz in der Rangfolge nicht gefallen, oh, dann liegt es ganz sicher an den Genen. Weniger Erfolg oder schlechtes Benehmen oder Aggressionen – es liegt an unseren Genen. Neuerdings gilt sogar die schlechte Laune als genetisch bedingt. Oder es liegt an der Amygdala. Oder es ist eben wieder ein Durcheinander bei unseren Neurotransmittern. Das klingt auch so überzeugend wissenschaftlich. Dr. Diana Pflichthofer ist Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalytikerin und Gruppenanalytikerin.
Rund im die Psyche ist ein riesiger Markt entstanden
Der Optimierungswahn mach auch vor den Psychotherapeuten nicht halt: Auch sie sollen sich optimieren. Sie sollen schneller, effizienter, wirksamer und erfolgreicher werden und ebenso therapieren. Sie sollen auch ihre Patienten optimieren. Diana Pflichthofer stellt fest: „Das, was holpert und stolpert in der menschlichen Seele, soll wieder rundlaufen. All das ist ein riesiger Markt, leider oft auch ein Markt der Verzweiflung. Irgendwie scheint es sich eingebürgert zu haben, dass jeder „Psyche“ kann.“
Da Diana Pflichthofer aus eigener Erfahrung bekannt ist, dass es eine zehn bis zwölfjährige Ausbildung braucht, um professionell psychotherapeutisch arbeiten zu können, wundert sie sich. Es reicht inzwischen offensichtlich, wenn man sich kompetent „fühlt“ oder „berufen“ zu heilen, gerne mit einem teuren „Workshop“. Das bringt Geld und eventuell ein wenig Amüsement. Oder es kann bei den Teilnehmern leider auch mal zu einer psychotischen Dekompensation führen, das heißt die Menschen verlieren völlig den Boden unter den Füßen, werden depressiv oder entwickeln gar wahnhaft Gedanken.
Diana Pflichthofer klärt über die Tricks der Psycho-Industrie auf
Offenkundig ist: Das Geschäft mit der „Psyche“ blüht. Diana Pflichthofer erklärt: „Abgesehen von der allgegenwärtigen „Ratgeberistis“ scheinen aktuell viele selbst ernannte Experten den Diskurs zu bestimmen, angefeuert und unterstützt bis bisweilen merkwürdig unkritischen Medien. Je größer der Name, desto weniger Kritik scheint erlaubt.“ Und wenn man sich das jetzt mal traut. Diana Pflichthofer traut sich mal aus der Perspektive einer Fachärztin und ausgebildeten Psychotherapeutin, auf dieses große Geschäft zu blicken, das sie die Psycho-Industrie nennt.
In ihren Buch „Die Psychoindustrie“ versucht Diana Pflichthofer ihren Lesern professionelle Informationen aus der Welt der Psyche nahezubringen, ihnen dabei zu helfen, sich in dem „Psycho-Dschungel“ nicht zu verlaufen, sondern sich zu orientieren und herauszufinden, wie sie professionelle Psychotherapeutinnen von solchen unterscheiden können, die sich nur dafür ausgeben. Diana Pflichthofer versucht dabei außerdem ihren Lesern die Tricks der Psycho-Industrie zu vermitteln, mit denen man sie glauben machen will, es würde professionell oder gar „wissenschaftlich“ zugehen. Quelle: „Die Psychoindustrie“ von Diana Pflichthofer
Von Hans Klumbies

